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Wie eine Tankstelle im Wald...

Der kleine Autofriedhof

Zugang
Keine Ab-/Einsturzgefahr
Kein erhöhtes gesundheitliches Risiko
Keine erhöhte Verletzungsgefahr
Keine spezielle Ausrüsung nötig
Gute Detailaufnahmen möglich
Gute Weitwinkelaufnahmen möglich
Gute Außenaufnahmen möglich
Verhältnis Motive/Aufwand
Lange Anfahrt lohnenswert?
Mein persönlicher Sympathiefaktor

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Ich kenne diesen Ort seit meiner Kindheit. Autos um Autos reihen sich dort ein und warten darauf, von der Natur erobert zu werden. Ein schöner Ort für viele gute Motive.

Michael Fröhlich schenkte sich zu seinem 50. Geburtstag 50 Oldtimer, alle mit Baujahr 1950. Das war im Jahr 2000. Heute verrotten die Autos in einem Waldstück – so wie ihr Besitzer es sich gewünscht hat.
Michael Fröhlich besitzt einen Porsche 356, auch einen Rolls-Royce Silver Wraith, zwei automobile Schätze aus dem Jahr 1950. Normale Autosammler behandeln diese Fahrzeuge in der Regel mit hingebungsvoller Liebe. Bewegen sie den Oldtimer nicht, steht er in einer trockenen Garage, vielleicht ummantelt von einer Decke oder einem Tuch. Kein Staubkorn soll an den Lack geraten, kein Regentropfen die Rostgefahr erhöhen. Aber Fröhlichs Autos sind nicht ummantelt. Er lässt sie zwischen Büschen und Bäumen in einem Waldstück verrotten. Zusammen mit 48 weiteren Klassikern, alle Baujahr 1950.
Manchem Autoliebhaber wird jetzt der Kamm schwellen. Mal abgesehen von dem historischen Wert gammelt in Michael Fröhlichs Wäldchen – es gehört zu seinem Privatgrundstück unweit von Düsseldorf im Neandertal – auch ein Vermögen vor sich hin. Allein der Jaguar XK 120, der zu dem verwahrlosten Ensemble zählt, wäre heute um die 150.000 Euro wert.
Aber Geld und die Meinung anderer scheinen für Michael Fröhlich keine Rolle zu spielen.

„Wegen der Girls“
Das nötige Budget für ein Privatgrundstück samt exzentrischer Oldtimersammlung hat er sich unter anderem als Inhaber einer Modefirma verdient. „Wegen der Girls“, sagt Fröhlich, sei er ins Modegeschäft eingestiegen. Außerdem ist er Autohändler und fuhr Rennen. Letzteres „auch wegen der Frauen“.
Michael Fröhlich – 64 Jahre alt, schlank, Jeans, dunkelblaues Sakko mit Weste und türkisfarbendem Hemd – gibt sich als Lebemann alter Schule. Zum Termin empfängt er in seinem Autohaus. Ganze Wände sind dort mit Artikeln über ihn tapeziert: Seine Frauen, seine Rennen, seine Erfolge und seine Krisen. „Ich bin den Medien nicht abgewandt“, so drückt er es aus. Aus diesem Grund verrotten vor seiner Haustüre offenbar auch Traumautos. Die Sammlung war nämlich ein aufsehenerregendes Selbstgeschenk zu seinem fünfzigsten Geburtstag.
„Mein Vater brachte mich damals auf die Idee, er sagte, ich müsse zur Geburtstagsparty etwas Verrücktes machen“, erzählt Fröhlich. Zum eigenen Autofriedhof inspirierte ihn außerdem ein Bildband über verwilderte Fahrzeuge. „Schon als Kind faszinierte mich Morbidität“, sagt Fröhlich.
Ein erboster Student und ein misstrauischer Verkäufer
Das Grundstück mit den Oldtimern liegt nicht weit von Fröhlichs Arbeitsplatz entfernt. Passiert man das Tor des rund 20.000 Quadratmeter großen Waldanwesens, ist man umgeben von Zerfall. Die Fahrzeuge liegen unter Bäumen, vom Rost zerfressen, die Scheiben blind, die Reifen platt. Daneben alle paar Meter eine weiße Stehlampe, Modell Baumarkt. Autosammlungen von Profis zeichnen sich meist dadurch aus, dass alle Exemplare etwas verbindet. Bei den Wagen von Fröhlich ist es das Baujahr. Der Park der überwucherten Oldies ist eine Hommage an den Jahrgang 1950 – sein Jahrgang. Passend dazu parken genau 50 Autos in dem Wäldchen.

Bei manchen Fahrzeugen erinnert sich Fröhlich noch an die Beschaffung. „Den Jaguar hatte ich schon“, sagt er. Einen liebevoll restaurierten schwarzen Buick hat er nach eigenen Angaben damals für 17.000 Mark einem Studenten abgekauft. „Als der später mitbekommen hat, was mit dem Wagen passiert ist, war er natürlich wenig begeistert.“ Für einen Citroën 11 CV hat er 10.000 Mark gezahlt, „das Dreifache dessen, was er wert war!“ Der Besitzer habe den Wagen deshalb noch in alle Einzelteile zerlegt: „Der dachte, in dem Citroën ist irgendwas Wertvolles versteckt. Dabei wollte ich halt einfach einen aus dem Jahr 1950.“
„Ich wollte einfach die Situation von 1950 einfrieren“
„Gerade in den ersten Jahren habe ich immer wieder Anfeindungen bekommen“, sagt Fröhlich. Mittlerweile aber sei sein Autofriedhof eine Attraktion: Schulklassen, Seniorengruppen und Fotografen kommen zu Besuch, und auf Anfrage lässt Fröhlich sie aufs Grundstück. „Ich wollte hier einfach die Situation von 1950 einfrieren“, sagt er. „Eben auch die der Autos.“
Heute scheint es allerdings so, als habe Fröhlich mit den ausgewilderten Autos vor allem den Moment gefeiert: „Damals vor 14 Jahren“, erinnert er sich, „waren 500 Gäste geladen. Gekommen sind dann mehr als tausend.“ Das Fernsehen war da, Girls bestimmt auch. Fröhlich: „Ich glaube, das war die größte Party Deutschlands.“
Wahrscheinlich gibt es Menschen, die diese Auffassung nicht unbedingt mit dem 64-Jährigen teilen. Genauso, wie sein Umgang mit Oldtimernmanchem suspekt sein dürfte. Von dem Fest zeugen heute noch Unmengen leerer Sektflaschen, entsorgt wurden sie in einem Citroën 2CV, einer Ente Baujahr 1950. „Das war der Mülleimer der Party“, sagt Fröhlich.

Quelle: Spiegel Online

 

 

Über Rico Mark Rüde

Als begeisterter Schleicher(Urbexer) treibt es ihn seit 2002 an die entlegensten Orte, die vielen nicht einmal bewusst sind, obwohl man jeden Tag daran vorbei läuft, oder fährt. Er hält alles fotografisch fest und in diesem Blog wird dies dann, ergänzt durch Recherchen und Texte zu einem neuen Artikel.

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2 Kommentare

  1. Die aussagekräftigsten Bilder, die ich von diesem Ort gesehen habe. Kleine Anmerkung: Es ist kein VW Käfer, sondern ein Mercedes 170V.

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